Der Graeser Pferdemarkt

Mit Erlass vom 23.11.1920 sprach das Landratsamt Ahaus den Graeser Bürgern die Übernahme eines Markttages aus Wessum zu. Es handelte sich dabei um einen althergebrachten Krammarkt, der nun erstmals am 22. August 1921 in Graes abgehalten wurde. Schon wenige Jahre später, am 31. Mai 1926, erzielte die Einwohnerschaft einen weiteren Erfolg, als ihr der Kreis Ahauser Landrat genehmigte, den neuen Krammarkt um einen Viehmarkt zu erweitern. Möglicherweise hat diese Genehmigung erst für das Jahr 1927 gegolten, denn der amtliche Nachweis aller im Kreis Ahaus im Jahre 1926 abgehaltenen Märkte – zu finden im Archiv des Kreises Borken – enthält für die Bauerschaft Graes den Vermerk, es sei kein Vieh aufgetrieben worden. Erst für das Folgejahr registriert die Behörde „drei Rindviecher“.
Zu diesem erstmaligen Viehauftrieb passt ein Artikel der Ruhrnachrichten vom 23.8.1966, in dem es heißt, der Viehmarkt sei im Jahre 1927 ins Leben gerufen worden, und zwar von den Bauern und Gastwirten Epping und Elfering-Hüntler, in deren unmittelbarer Nachbarschaft, auf Eppings Weide, sich das Marktgeschehen fortan bis zum Jahr 1965 abspielte.
Die Bemühungen der Graeser Bevölkerung waren scheinbar von Anfang darauf gerichtet, den neuen Markt zu einem Pferdemarkt zu entwickeln. Bereits im folgenden Jahr, am 20. August 1928, standen auf dem Graeser Markt neben fünf Rindern und drei Schweinen auch 12 Pferde. Erlebte der Pferdemarkt auf Eppings Weide an der Aabrücke Richtung Epe zu Beginn seines Bestehens einen stürmischen Aufschwung mit einem Angebot von 50 und mehr Pferden, wie Zeitgenossen berichteten – einige wollen sogar mehr als 100 gezählt haben – so bemerkte man schon bald nach dem Krieg einen spürbaren Rückgang des Pferdeauftriebs. Die jetzt mit aller Macht einsetzende Technologisierung in der Landwirtschaft machte die Pferde als Arbeitstiere mehr und mehr überflüssig. Die Ahauser Kreiszeitung meldete in ihrer Ausgabe vom 23. August 1955 immerhin noch den Verkauf von 25 Pferden, aber schon 10 Jahre später, am 24. August 1965, konnte sie nur noch von „einer Pferdemama mit ihrem Fohlen“ berichten, die die Tradition des Pferdemarktes wahrte.
Im folgenden Jahr, also 1966, fand das Marktgeschehen erstmals auf einer Wiese nahe der Gaststätte Weßling statt, da die am bisherigen Platz bei Epping vorbeiführende Landstraße zur Bundesstraße B 474 umgewidmet worden war und einen gefahrlosen Marktbetrieb offenbar nicht mehr zuließ. Aber diese Lösung war nicht von langer Dauer. Nach wenigen Jahren wechselte man auf den Parkplatz am Graeser Sportgelände. Trotzdem ging es mit der Akzeptanz des Marktes seitens der Bevölkerung und der Händler zunächst weiter bergab. Im Jahr 1977 ergriff dann als erster Verein die Kolpingfamilie die Initiative und veranstaltete am Sonntag vor dem eigentlichen Markttag eine kleine Kirmes mit Kinderbelustigung und Fahrten mit einem „Pängelanton“.

Damit gelang ein hoffnungsvoller Anfang. Zwei Jahre später gründete sich der „Verein für Jugend- und Traditionspflege“, der die Bemühungen zur Wiederbelebung des Marktes fortsetzte und dann auch zum Erfolg führte. Der Verein ging 1989 im damals neu gegründeten Heimatverein auf, der seither für die Veranstaltung zuständig ist. Im Jahr 2007 wechselte der Graeser Pferdemarkt auf das Gelände rund um das Heimathaus „Hefflers Kotten“ und erfreut sich seither hoher Beliebtheit.

Quelle: Nr. 227 /Juli – August 2013 HEIMATBRIEF
Herausgeber: Der Heimatpfleger des Kreises Borken

 Graeser Markt 1 Graeser Markt 2

Graeser Pferdemarkt 1959
Bilder: Hermann Roth